Was ist eigentlich ein Big Year?

Unter einem ‚Big Year‘ versteht man den Versuch innerhalb eines Jahres in einem bestimmten Gebiet so viele Vogelarten wie möglich zu beobachten. Es gibt dabei nichts zu gewinnen, außer ein wenig Ruhm unter Gleichgesinnten und hoffentlich einigen unvergesslichen Momenten in der Natur und mit anderen Vogelbeobachtern.

Die Idee dazu stammt ursprünglich aus den USA und erlangte erste Bekanntheit durch amerikanische Ornithologen-Größen wie Roger Tory Peterson und Ted Parker. Das Buch ‚Kingbird Highway‘ von Kenn Kaufmann beschreibt das Abenteuer ein halbwüchsigen Schulabbrechers, der 1973 durch ganz Nordamerika trampt, sich von Hundefutter ernährt um Kosten zu sparen und dabei die Unterstützung von hunderten anderen Birdern erhält und schließlich knapp am Rekord vorbeischrammt, weil ein anderer Birder drei Arten mehr gesehen hatte. Seit ich dieses Buch gelesen habe, lässt mich der Gedanke ein eigenes Big Year zu machen nicht mehr los. Vorbilder gibt es um mich herum inzwischen mehr als genug: Freunde und Bekannte wandern auf der Suche nach Steinhühnern und Schneefinken durch die Alpen und jagen Blauracken oder kryptischen Laubsängern aus Asien hinterher. Online gibt es inzwischen dutzende Berichte von Birdern, die ein Big Year in den USA, der Westpaläarktis oder gar um die gesamte Welt machen, sogar nach Hollwood (‚The Big Year‘ 2011) hat es dieses verrückte Hobby geschafft (sogar mit richtig hochkarätiger Starbesetzung: Jack Black, Steve Martin und Owen Wilson in den Hauptrollen).

Leider (oder wohl eher zum Glück) habe ich neben Job, Familie und Hobbies nicht genug Zeit, um ständig auf Achse zu sein. Auch stundenlange Autofahrten (oder gar Kurzstreckenflüge) liegen mir nicht, sodass ein Big Year für mich immer ein Wunschtraum zu bleiben schien. Doch nun habe ich mir einfach ein ganz kleines Big Year vorgenommen, eines bei dem wenig Zeit für Autofahrten draufgeht und umso mehr für die Vogelbeobachtung bleibt: Ich möchte 2022 ein Big Year im Hamburger Stadtgebiet sowie im Berichtsgebiet des AK VSW HH machen (dafür werde ich zwei separate Listen führen). Dabei ist absolut jede Art wichtig! Stadttaube und Kohlmeise werde ich sicherlich schon am 1. Januar auf meine Liste bekommen, aber für Ziegenmelker, Rebhuhn oder Säbelschnäbler werden gezielte Ausflüge notwendig sein. Und gibt es eigentlich irgendwo in Hamburg noch Turteltauben, Sprosser oder Zwergschnäpper? Welche Strandläufer- oder Seeschwalbenarten rasten in Hamburg und noch viel wichtiger, wo? Mit diesen und vielen anderen Fragen werde ich mich nächstes Jahr intensiv auseinandersetzen. Das ambitionierte Ziel sind 200 Arten in Hamburg. Regelmäßig werde ich hier von meinen Erlebnissen berichten. Und wer mich dabei mit Tipps oder netten Worten unterstützen möchte, kann mich gerne über meinen Blog oder anderweitig kontaktieren. 


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