Seltene Enten

Inzwischen sind zwei Wochen seit dem letzten Update vergangen. In der Zwischenzeit sind weitere 23 Arten auf meine Big Year-Liste gekommen, davon sieben allerdings nur außerhalb von Hamburg. Unter diesen 23 Arten befinden sich einige richtig gute Arten, es gab aber auch die ersten schmerzhaften Misserfolge. Aber immer der Reihe nach...

Momentan kartiere ich alle zwei Wochen Gastvögel südlich von Hamburg. Auf dem Rückweg von so einer Kartierung habe ich neulich einen kurzen Stopp an der Elbe beim Fähranleger Hoopte auf niedersächsischer Seite eingelegt, wo sich seit einigen Wochen ein Mittelsäger aufhält. Diese Art ist allgemein im Hamburger Raum relativ selten und taucht unregelmäßig und meist nur für kurze Zeit auf Elbe oder Außenalster auf. Seit 2018 gibt es jedoch offenbar einen Vogel, den es jeden Winter zurück an diesen Elbabschnitt verschlägt, so dass die Art einigermaßen berechenbar für mein Big Year wurde. Nach kurzer Suche fand ich ihn schließlich im Verbund mit einem Gänsesäger-Weibchen an eben jenem Elbabschnitt. Zu meiner großen Überraschung schwamm 50 m flussabwärts ein zweites Mittelsäger-Männchen, welches ebenfalls mit einem Gänsesäger-Weibchen verpaart zu sein schien. Beide Vögel waren so freundlich einen kurzen Ortswechsel zu vollziehen und dabei quasi direkt auf der Grenze zwischen Hamburg und Niedersachsen zu fliegen, sodass ich die Art auch für Hamburg zählen kann. Auch ein Zwergsäger schwamm auf dieser Grenze, ein Trupp Singschwäne überflog ganz klar Hamburger Territorium, die Mantelmöwen am Fähranleger waren nicht so kooperativ. Etwas elbabwärts rief eine Bachstelze, die ich nicht verorten konnte. Besonders überraschend war dann ein kleiner Trupp Berghänflinge, welcher zunächst elbaufwärts flog nd wenige Minuten später zurückkam und die Elbe nach Hamburg überquerte. Für mich die erste Beobachtung dieser Art im Hamburger Raum abseits des Rathaus-Schlafplatzes. Auf dem Weg zurück ins Home Office stoppte ich noch ganz kurz in Altengamme, wo sich der einzige regelmäßige Rastplatz von Großen Brachvögeln in Hamburg befindet.

Ein Mittelsäger auf der Elbe bei Hoopte

Hier fliegt der Mittelsäger quasi direkt auf der Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein

Offenbar waren beide Mittelsäger mit Gänsesäger-Weibchen verpaart

Was für eine grandiose Federtolle

Fliegender Mittelsäger

Wintermöwen

Diese Zwergsäger schwammen in der Winsener Marsch, also außerhalb von Hamburg, aber innerhalb des Berichtsgebiets

Zwei Tage später kam dann per WhatsApp die Meldung, dass auf der Außenalster eine Trauerente schwimmen würde. Für das Big Year eine extrem wichtige Art, da die Art in den meisten Jahren nur 1-3 Mal in Hamburg jeweils für wenige Tagerastet und sonst höchstens per NocMig (also nächtliche Zugruf-Erfassung) nachzuweisen ist. In der Mittagspause schwang ich mich auf's Fahrrad und hatte zum Glück mein Spektiv mitgenommen. Die Ente schwamm nämlich auf der komplett anderen Seite der Außenalster und war selbst im Spektiv nur mit Mühe zu erkennen.

 

Ein grandioses Video der Trauerente auf der anderen Alsterseite, ich weiß...

Am Samstag stand die Wasservogelzählung an, Hoffnungen auf neue Jahresarten hatte ich eigentlich keine, denn die Arten, die am Osterbekkanal oder am Stadtparksee zu erwarten sind, hatte ich alle schon die Wochen zuvor abgefrühstückt. Doch wie sich rausstellen sollte lag ich mit dieser Einschätzung ziemlich falsch. Zunächst konnte ich zu meiner Überraschung endlich die Wasseramsel finden, welche die letzten Wochen immer wieder an der Wandse in 5 km Luftlinie gemeldet wurde, sich vor mir aber inzwischen schon viermal versteckt hatte. Eine Farbberingung verriet, dass es tatsächlich der selbe Vogel ist. Jetzt frage ich mich vor allem, welchen Weg sie wohl gewählt hat um von dem einen Flüsschen zum anderen zu gelangen, denn eine direkte Verbindung gibt es quasi nicht. Und dann konnte ich im Stadtpark gleich zwei Mittelspechte, welche ich hier noch überhaupt nie gesehen habe. Und es erscheint noch nicht einmal unwahrscheinlich, dass es sich dabei um zwei feste Reviere handelt, die bisher einfach weitgehend übersehen wurden! 

Die Farbringkombi verrät, dass derselbe Vogel wenige Tage zuvor und auch danach an einem anderen Flüsschen saß. Leider lag die Kamera zuhause, mit so einem Knaller bei der Wasservogelzählung hatte ich nicht gerechnet

Am Dienstag dann die nächste seltene Entenart auf der Außenalster: 3 Bergenten. Nur leider hatte ich heute in der Mittagspause keine Zeit und ich musste auf den nächsten Tag warten. Am Mittwoch wurde dann sehr zu meiner Erleichterung gemeldet, dass noch ein Weibchen anwesend sei, doch zu meinem großen Frust konnte ich dieses Weibchen nur eine Stunde nach dem Update absolut nicht wiederfinden. Bergenten sind zum Glück ein wenig häufiger und bleiben gerne auch mehrere Wochen im Gebiet, sodass ich noch Hoffnungen habe diese Art nachzuholen.

Auch ein Besuch am nächsten Samstag im Duvenstedter Brook kann weitestgehend als Reinfall gewertet werden. Ich hatte mir ungefähr 10 Zielarten erhofft, geklapp hat nur eine einzige, nämlich ein Waldbaumläufer, den ich relativ sicher falsch als Gartenbaumläufer bestimmt hätte, wenn er nicht gerufen hätte. Raubwürger, Schwarzspecht, Bergpieper und co. ließen sich hingegen nicht blicken, nicht mal ein mickriger Feldhase oder eine Rötelmaus hat sich meiner erbarmt.


Hättet ihr den als Waldbaumläufer erkannt?

Ein Erfolg musste her und kam dann auch am Sonntag, nur leider zählen diese nicht für mein Big Year. Gemeinsam mit einem Freund twitchte ich zunächst erfolgreich eine Weißkopf-Ruderente bei Plön, zu der sich dann sogar noch eine Schwarzkopf-Ruderente hinzugesellte. Mit einer Pazifiktrauerente in der Geltinger Birk gesellte sich schließlich noch eine dritte seltene Ente an diesem Tag dazu. Vielleicht taucht so etwas Seltenes ja dieses Jahr auch in Hamburg noch auf? Ich würde mich jedenfalls freuen!


Weißkopf-Ruderente links, Schwarzkopf-Ruderente rechts  
Wohl eine der nördlichsten Weißkopf-Ruderenten jemals

Es war eine tolle Stimmung am Großen Binnensee, mit dutzenden Singschwänen und vielem mehr





Kommentare

  1. Bester Tripp! Die Ohrentaucher waren tatsächlich auch lifer für mich :)
    LG, ein anonymer Freund

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