Schlechtes Timing
Für die Arbeit hocke ich derzeit fast nur vor dem PC im Home Office. Ich freue schon tierisch darauf, dass die Kartierungssaison bald endlich wieder losgeht. Am Samstag hab ich dann halbwegs spontan entschlossen, dass ich mir die prächtige Prachteiderente bei Kühlungsborn nicht entgehen lassen kann. Das brachte mir zwar eine tolle Beobachtung von eben jener Ente, aber eben nichts für meine Big Year-Liste.
| Ein wirklich herrlich anzuschauender Vogel! |
| Das Wetter hätte ein bisschen freundlicher sein dürfen... |
| Mir war gar nicht klar, dass Prachteiderenten so ein V an der Kehle haben |
| Eisente im Flug |
| Mein erstes halbwegs passables Bild einer Samtente, sonst sitzen die immer kilometerweit weg. |
Um kurz vor 17 Uhr, ich war bereits wieder zuhause, blickte ich dann auf mein Handy und las die Schocknachricht, dass in der Sülldorfer Feldmark ein Sichler hocken sollte! So früh im Jahr schon die erste Mega-Rarität in Hamburg! Einen twitchbaren Sichler hat es in Hamburg und Umgebung noch nie gegeben. Das einzige Problem an der ganzen Sache: In 20 Minuten würde die Sonne untergehen, bis ich vor Ort sein konnte dauerte es allerdings mindestens 40 Minuten. Ich entschied mich dazu, darauf zu hoffen, dass der Vogel bis zum nächsten Morgen bleibt. Bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen war der Vogel dann jedoch leider weg. Drei Stunden später hatte ich die gesamte Sülldorfer und Rissener Feldmark erfolglos abgesucht. Ich werde also noch warten müssen auf meinen ersten ersten "Code 4" (zur Erklärung siehe Artenliste). Da der Wind ordentlich blies, entschied ich mich dagegen im Klövensteen nach Schwarzspecht, Haubenmeise und co zu suchen und stattdessen mein Glück am Mühlenberger Loch zu versuchen. Vielleicht hatte ja Sturmtief Nadia irgendwelche Pelagen reingedrückt?
Vor Ort hatte ich erstmal Probleme überhaupt ans Wasser zu kommen, alle möglichen Wege waren gesperrt. Als ich endlich eine Möglichkeit gefunden hatte an die Elbe zu kommen bot sich mir ein beeindruckendes Schauspiel: Man konnte live zuschauen, wie der Pegel, getrieben vom Sturmtief Nadia, Zentimeter für Zentimeter stieg und das Wasser nach wenigen Minuten die Elbpromenade geflutet hatte. Ich versuchte mein Glück von einem leicht erhöhten Standpunkt und scannte das Mühlenberger Loch für eine Stunde nach Hochseevögeln ab. Belohnt wurde ich mit einer handvoll Binnenlandmöwen und sonst absolut gar nichts. Nicht mal eine lausige Mantelmöwe war dabei :(
Da ich am Nachmittag Gäste erwartete, stapfte ich durch den Altonaer Hirschpark zu meinem Auto zurück (der Weg über die Elbpromenade war ja jetzt versperrt) und fuhr nach Hause. Eine halbe Stunde vor Ankunft der Gäste dann die nächste Schocknachricht: Eine Trottellumme schwimmt an den Landungsbrücken! Wieder eine Art, die normalerweise in Hamburg quasi nicht twitchbar ist. Wieder eine schwierige Abwägungsentscheidung. Fahr ich hin und lass meine Freunde hängen oder eben nicht. Da ich der Meinung bin, dass ein funktionierendes Sozialleben ein klitzekleines bisschen wichtiger ist, als die längstmögliche Artenliste, habe ich mich also schweren Herzens gegen die Trottellumme entschieden.
Hoffentlich hat die nächste Seltenheit ein besseres Timing!
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