To count ot not to count? That is the question!
Winter ist ganz offensichtlich Entenzeit. Wie schon in den letzten drei Postings, wird dieser Beitrag vor allem Entenbildern geziert werden. Wieder geht es um sehr hübsche Enten, diesmal auch zu einhundert Prozent auf Hamburger Boden. Diesmal habe ich allerdings eine Frage an euch, denn ich bin mir nicht sicher, wie ich mit ihnen umgehen soll.
Auf dem Heimweg von einer Kartierung bei Stade kam ich durch Francop. Da hier in den letzten Jahren regelmäßig Braut- und Mandarinenten beobachtet wurden, hielt ich am Brackenburger Brack an und fand sofort die gesuchten Vögel. Leider sind einige Hamburger Stadtteile südlich der Elbe äußerst schlecht durch Vogelbeobachter abgedeckt und so handelt es sich um die erste Meldung von Brautenten in Hamburg für das Jahr. Ganz generell kann man wohl sagen, dass das Wissen zum Vorkommen dieser Arten in Hamburg eher schlecht ist.
Brautenten konnte ich in Hamburg bereits in drei Regionen beobachten: Noch vor meiner eigentlich Birdingzeit irgendwann in den 2000ern am Alsteroberlauf, wo die Art schon seit den Achtzigern regelmäßig beobachtet wird (aber meist nur 1-2 Vögel), auf dem Öjendorfer See wo sich ein Männchen 2019 für einige Wochen aufhielt und im Francoper Raum, wo der Bestand in den letzten Jahren immer mehr zu wachsen schien, sodass im letzten Jahr sogar bis zu 18 Enten gleichzeitig beobachtet wurden. Der Hamburger Brutvogelatlas weist außerdem darauf hin, dass die Art offenbar zwischen 1996 und den frühen 2000ern versucht hat in Othmarschen zu brüten. Das BfN führt die Art inzwischen als etabliert in Deutschland und auch die Fachgruppe Neozoen der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft ist zu dem Schluss gekommen, dass die Brautente ab 2019 als in Deutschland etablierte Art zu gelten hat. Gleichzeitig bleibt jedoch die Erklärung hierfür äußerst diffus. Ein regelmäßiges Brutvorkommen ist mir in Deutschland nirgendwo bekannt. Das führt zu der paradoxen Situation, dass die Art im Club300 (auf den ich mich ja z.B. in Regel Nr. 3 für das Big Year beziehe) gezählt werden darf, gleichzeitig aber keine mir bekannte Population existiert, die eindeutig als etabliert zählbar ist.
Nun stand ich heute also vor einem Teich auf dem mindestens 22 Brautenten schwammen. Mindestens ein Teil dieser Brautenten wird in der Region seit 2014 beobachtet, in den letzten Jahren wurde vorsichtig Brutverdacht geäußert. Die Vögel sind unberingt und freifliegend. Viel besser geht also kaum, jedoch mit einer nicht unerheblichen Einschränkung: Am Brackenburger Brack wohnt ganz offensichtlich ein Ziervogel-Fan. Neben den mindestens 22 Brautenten und 5 Mandarinenten liefen und schwammen dort nämlich ein gutes dutzend Cayuga- und andere Hausentenrassen herum sowie eine handzahme Kanadagans. Gleichzeitig waren jedoch auch wild wirkende Reiher-, Schnatter und Stockenten anwesend. Die Population ist also ganz offensichtlich hier erst vor kurzem angesiedelt worden und wird vermutlich regelmäßig aufgestockt. Andererseits können die Vögel frei herumfliegen, bekommen hier Nistkästen angeboten und könnten durchaus eine halbwegs eigenständige Population bilden.
| Brautenten-Pärchen auf dem Brackenburger Brack. |
| Ich gehe sogar von noch mehr als 22 Brautenten dort aus, die alle frei in der Gegend herum fliegen dürfen... |
| ... und offenbar auch hier brüten sollen. |
| Auch Mandarinenten waren anwesend. Die Art hat letztes Jahr in ca. 5,5 km Entfernung gebrütet, die Vögel stammten vermutlich auch von hier. |
| Verschiedene Hausentenrassen waren auch zugegen. |
Nun also zur Frage: Zähle ich diese Vögel für mein Big Year oder nicht? Und wenn nein, kann ich dann überhaupt irgendeine Brautente jemals für das Big Year zählen? Genau das gleiche gilt für die Mandarinenten, wobei ich hier gerne noch versuchen möchte Vögel im Niendorfer Gehege, im Jenischpark oder am liebsten am Alsteroberlauf zu finden, wo die Art zwar vermutlich auch nur so halb als etabliert gelten kann, aber zumindest schon abseits ihres Aussetzungsortes (Hagenbecks Tierpark?) brüten.
Wie steht ihr dazu? Ich bin recht sicher, dass viele die Vögel an jedem anderen Ort relativ bedenkenlos gezählt hätten. So richtig toll fühlt sich das nicht an, aber ich will mich auch nicht selbst benachteiligen.
Hatten die gestutzte Flügel? Die Brautenten dort in Francop haben auf jeden Fall ein großes Einzugsgebiet - 2020 konnte man die gut im Bereich des Francoper Hinterdeichs auf den Wettern beobachten. Damals hätte ich ohne weiteres gesagt, dass die zählbar sind..
AntwortenLöschenJedoch wenn ich mir die Situation dort mit Schwimmstangen und Häuschen anschaue.. Ganz optimal ist das nicht, ich würde die als Backup nehmen und trotzdem hoffen und versuchen noch 'besser' zu kriegen.